Nachgefragt: Gründungszuschuss - menschlich gesehen

Interviews mit geförderten Gründern

Wir haben bei Nutzer unserer Website und auch bei von uns betreuten Gründern nachgefragt: Wie kamen Sie auf die Geschäftsidee, wie haben Sie die Gründung vorbereitet und finanziert, wie ihre ersten Kunden gewonnen? Was ist schief gegangen? Natürlich wollten wir auch wissen, ob die Entscheidung für die Selbständigkeit im Nachhinein betrachtet richtig war und welche Zukunftspläne die Gründer haben. Die Idee dahinter: Von niemand kann man so gut lernen wie von anderen, erfolgreichen Selbständigen.

Dr. Peter Bodden - Nachfolge statt Existenzgründung


(gruendungszuschuss.de) Dass seit Einführung des Gründungszuschusses auch Übernahmen wirtschaftlich gesunder Unternehmen gefördert werden, ist viel zu wenig bekannt. Grund: Zuvor, in Zeiten des Überbrückungsgeldes und der „Ich-AG“ hatten die Arbeitsagenturen derartige Anträge durchweg abgelehnt – gefördert wurde nur, wenn der übernommene Betrieb derart heruntergewirtschaftet war, dass das Geschäft neu aufgebaut werden musste. Nur dann handelte es sich nach Ansicht der Arbeitsagentur um eine Gründung.

Mit dem Gründungszuschuss hat sich dies geändert und Dr. Peter Bodden hat als einer der ersten geförderten Gründer diese neue Möglichkeit genutzt und im Rahmen einer Nachfolgeregelung das „Planungsbüro Kühn“ und dessen 25 Mitarbeiter übernommen.

Mit diesem Interview beginnen wir eine neue Reihe -  "Nachgefragt: Gründungszuschuss menschlich gesehen" -  in der wir über von uns betreute Gründungen berichten.

"Planungsbüro Kühn" - der Name ist eigentlich irreführend. Schon 1996/97 hatte sich der Schwerpunkt des Unternehmens von Planungsleistungen zum „Body Leasing“ verlagert. Es handelt sich also um eine Art Zeitarbeitsfirma, die anderen Unternehmen ihre hoch qualifizierten Ingenieure und Techniker überlässt, damit diese Auftragsspitzen und zeitlich befristete Projekte bewältigen können. Dr. Bodden war 25 Jahre in der IT und Telekommunikation tätig, zuletzt bei Oracle und British Telecom. „Ich arbeitete fast ausschließlich im Consulting und das ist oft sehr ähnlich zu dem, was ein Personaldienstleister macht.“

Wie kam es zur Geschäftsidee?

„Ich bin 53 und wollte nicht länger in einer Situation sein, in der andere darüber entscheiden, wie lange ich arbeiten darf“, erklärt Bodden seine Motivation. „Um selbständig etwas von Null aufzubauen, dafür bin ich zu alt. ‚Zeit ist Geld‘, deshalb nahm ich Geld in die Hand und beschloss, eine Firma zu kaufen“. Den Anstoß für die Übernahme gab ein Bericht in der ARD-Sendung „Report Baden-Baden“. Viele Arbeitsplätze werden vernichtet, weil mittelständische Arbeitgeber keine Nachfolger finden, hieß es dort.

Wie haben Sie die Gründung bzw. Übernahme vorbereitet?

Bevor man sicher ist, dass ein Unternehmen den Kaufpreis wirklich wert ist, steht viel Arbeit an. „Verdammt viel Arbeit“, sagt Dr. Peter Bodden und berichtet von zahllosen Gesprächen mit Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Bankern. „Auf der anderen Seite gibt das natürlich viel mehr Sicherheit als bei einer echten Neugründung.“ Insgesamt hat Bodden an die zehn Unternehmen auf dem Papier angeschaut. Drei dieser Unternehmen hat der 53-Jährige richtig unter die Lupe genommen, inklusive der Due Diligence, also einer ausführlichen Prüfung.

Wie haben Sie die Übernahme finanziert?

Und die Bedeutung des Gründungszuschusses? „Der spielte für mich eine große Rolle! Wenn man einen laufenden Geschäftsbetrieb übernimmt, muss man zu einem bestimmten Stichtag abrechnen. Zuerst trägt man zwei Monate nur die Kosten, bis dann die ersten selbst gestellten Rechnungen bezahlt werden. Die ersten beiden Monate konnte ich mir überhaupt kein Gehalt zahlen. Und in der Folge muss ich auch noch über mehrere Monate erfolgsabhängige Leistungen an den Altbesitzer bezahlen.“ Für die Finanzierung des Kaufpreises hat er ein Programm der bayerischen LfA-Bank genutzt, das günstige Zinsen bietet und zwei Jahre tilgungsfrei ist.

„Für die Erstellung des Businessplans habe ich das Template von gruendungszuschuss.de genutzt und mich dort auch beraten lassen. Der Businessplan war besonders für die Kommunikation mit den Banken wichtig. Der Berater, Hans Jörg Zeese, hat mich zur Arbeitsagentur begleitet und dort moderiert, denn ich war einer der Ersten, bei denen eine Übernahme gefördert wurde.“

Dr. Bodden liegt heute etwa fünf bis sechs Prozent über seinem eigenen Businessplan und acht Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs. „Das sind Werte, die mich ruhig schlafen lassen.“ Die Einnahmen reichen noch nicht ganz aus, um davon leben zu können, schließlich muss Bodden Kreditzinsen zahlen und er will seine Schulden so schnell wie möglich tilgen.

Wie steht es mit Marketing & Kundengewinnung?

Dr. Bodden hat sich bei der Planung vorgenommen, die ersten drei Monate auf Wachstum zu verzichten und nur die bestehenden Kunden bei der Stange zu halten. Mit dem Alteigentümer hat er alle Kunden besucht: „Er hat mich sehr gut eingeführt als seinen Nachfolger. Wir haben keinen einzigen Kunden verloren. Und mit nur einer Ausnahme, die krankheitsbedingt war, auch keinen Mitarbeiter.“ Zum Ende des ersten Quartals begann Bodden dann bereits mit zusätzlicher Akquise. Im April konnte er erste neue Mitarbeiter einstellen.

Sind Sie mit dem Schritt in die Selbständigkeit zufrieden?

Auf die Frage, wie zufrieden er mit seiner Entscheidung für die Selbständigkeit ist, antwortet Bodden: „Absolut, hundertprozentig, mir geht es rundum gut. Was mich besonders zufrieden macht, ist, dass mein Plan aufgeht, irgendwann selbst zu entscheiden, wann ich mit dem Arbeiten aufhören kann. Wenn es so gut weitergeht, kann ich das Unternehmen eines Tages gewinnbringend veräußern und meinerseits einen Nachfolger suchen.“

Und wie geht es weiter? Was sind Ihre Zukunftspläne?

Von der Nachfrage her betrachtet, könnte das Planungsbüro Kühn monatlich um zwei bis drei Mitarbeiter wachsen. „Es ist schon wieder schwieriger an qualifizierte Kandidaten zu kommen als an Auftraggeber.“ Bodden tritt aber noch aus einem anderen Grund auf die Bremse: Wenn er neue Mitarbeiter einstellt, fallen sofort Kosten an, die Umsätze kommen aber erst mit zeitlicher Verzögerung herein. „Ich orientiere mich konsequent an meinem Businessplan. Ich will das Vorjahresergebnis um 20 Prozent übertreffen und das ist realistisch. Im übernächsten Jahr möchte ich beginnen, den Kredit zurückzuzahlen, um so schnell wie möglich schuldenfrei zu werden. Es ist Top Wetter für Gründer.“


Das Interview mit Dr. Bodden wurde vorab mit vier weiteren Gründer-Interviews in der Zeitschrift startingup veröffentlicht.  Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Beiträge und Fotos. Lesen Sie das PDF mit allen fünf Interviews.

Verfasst von Andreas Lutz am 04.02.2008 15:16
http://www.gruendungszuschuss.de/?id=534&showblog=2460

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