Nachgefragt: Gründungszuschuss - menschlich gesehen
Interviews mit geförderten Gründern
Wir haben bei Nutzer unserer Website und auch bei von uns betreuten Gründern nachgefragt: Wie kamen Sie auf die Geschäftsidee, wie haben Sie die Gründung vorbereitet und finanziert, wie ihre ersten Kunden gewonnen? Was ist schief gegangen? Natürlich wollten wir auch wissen, ob die Entscheidung für die Selbständigkeit im Nachhinein betrachtet richtig war und welche Zukunftspläne die Gründer haben. Die Idee dahinter: Von niemand kann man so gut lernen wie von anderen, erfolgreichen Selbständigen.
Hans Eschler (29) - Von 15 m2 auf 330 m2 in eineinhalb Jahren
Hans Eschler stand vor der Tür der Friendsfactory, eines privat organisierten Münchener Gründungszentrums, als ich ihn vor knapp einem Jahr zum ersten mal traf. Er trug kurze Hosen und Flipflops, seine Haare waren blond gefärbt und in der Hand hielt er eine Zigarette. Er unterhielt sich mit Hubert Jäger – wie sich herausstellte sein Kollege und freier Mitarbeiter. Wir duzen uns sofort.
Am 1. November 2006 hatte er gegründet. Anfang Dezember 2006 war er hier eingezogen, in ein Büro mit 15 m2, im Januar 2007 hatte er einen weiteren Raum dazu genommen, im Mai dann die Fläche nochmals auf 60m2 verdoppelt. Als wir uns im Juni unterhielten, waren diese Räume auch schon wieder zu eng geworden und ein Umzug in größere Räume stand bevor. Wir waren natürlich neugierig und haben jetzt noch einmal nachgefragt, wie sich das Geschäft von Hans Eschler weiterentwickelt hat.
Wozu braucht man so große Flächen?
Einen großen Teil der Fläche benötigt Eschler als Lager für gebrauchte PCs, Laptops, Drucker und andere Hardware, die er in großer Zahl von Firmen wie Debitel, Edeka, Henkel, Obi und Tiscali kauft, um sie dann – hauptsächlich über eBay – einzeln weiterzuverkaufen. Seit dem ersten Gespräch kamen unter anderem Planet Home, eine Tochter der HypoVereinsbank dazu und vor allem die Stadtwerke München (SWM). Aber auch für seinen zweiten Geschäftszweig, das Hosting, braucht er viel Platz, um Server vernetzen und testen zu können, bevor er sie ins Rechenzentrum transportiert.
Ist das Raumproblem inzwischen gelöst?
Das Raumproblem hat er durch einen abermaligen Umzug innerhalb der Friendsfactory lösen können: Vom Dachboden ist er in den Keller umgezogen und belegt dort insgesamt 330 m2, 280 davon sind Lager, der Rest ist Bürofläche. Die Anfang Dezember 2007 neu bezogenen Räume schienen mehr als ausreichend: Die Lagerbestände füllten zunächst nur ein Viertel der Fläche. Aber dann kam ein Großauftrag der Stadtwerke München und das Lager war auf einen Schlag randvoll.
Was hat sich seit dem ersten Interview verändert?
Mit dem Großauftrag waren nicht nur die Lagerkapazitäten ausgeschöpft, sondern auch die personellen Kapazitäten . Eschler musste zeitweise neue Aufträge ablehnen und pausierte die Werbung über Google Adwords. Priorität hatte der Abverkauf der gewaltigen Lagerbestände. Er stellte freie Mitarbeiter und eine Buchhalterin auf 400 Euro-Basis ein. Er sorgte dafür, dass die Ein- und Auslieferung palettenweise und damit deutlich effizienter erfolgen kann. Und leistete selbst viele Überstunden. Ein besonders wichtiger Schritt war der Palettenversand: Gerade hat er an einen Kunden aus Afrika 4 Paletten mit Computerhardware ausgeliefert und eine weitere Palette an einen Verein, der 15 PCs auf einen Schlag bei ihm abgenommen hat. Er versendet bereits in die gesamte EU und rüstet sich gerade für den internationalen Versand, so dass er auch Kunden in USA bedienen kann.
Wie kam es zur Geschäftsidee?
Die Geschäftsidee entstand beim alten Arbeitgeber. Für ihn hat Eschler das bestehende Hostinggeschäft ausgebaut, neue Produkte entwickelt und damit für den Arbeitgeber gutes Geld verdient. Als dieser dann das Hosting-Geschäft auslagern wollte, aber keinen geeigneten Käufer fand, war das der Anlass, sich selbständig zu machen. Dazu kam, dass der Arbeitgeber eine insolvente Firma aufkaufte und Eschler ihm anbot, während seiner Freizeit nicht mehr benötigte Hardware dieser Firma über eBay zu verkaufen. Daraus wurde sein erster großer Auftrag, mit rund 1.000 Artikeln.
Planung und Vorbereitung der Gründung
Der Übergang von angestellt zu selbständig war fast nahtlos, einen Monat war Eschler arbeitslos. Neben den Aufträgen des alten Arbeitgebers war ein großer Vorteil, dass Eschler mit Hubert Jäger in der Anfangszeit einen freien Mitarbeiter an der Seite hatte, der schon seit zwei Jahren in diesem Geschäft tätig war. „Dadurch konnte ich viele Fehler vermeiden.“
Trotzdem musste er auch Lehrgeld bezahlen. Gleich im ersten Monat erhielt er von Wettbewerbern zwei Abmahnungen, was beim Verkauf als Gewerbetreibender über eBay nicht selten vorkommt: „Da wird mit harten Bandagen gekämpft.“ Wichtig für seine Planung ist auch, dass er Privatkäufern ein Jahr Gewährleistung bieten und dafür ausreichende Rückstellungen bilden muss.
Das weitere Wachstum hat Vorrang
Der Gründungszuschuss spielte für Eschler eine wichtige Rolle, um die Anfangszeit zu überbrücken, zu sehen, geht es oder geht es nicht: „Wir hatten erst mal nur ein, zwei Kunden. Davon hätte ich noch nicht leben können.“ Weil das Unternehmen so schnell wuchs musste Eschler auch in der Folgezeit die Gewinne gleich wieder in das weitere Wachstum investieren. Und hatte kaum Zeit für Organisatorisches. Die geplante Umwandlung des Einzelunternehmens in eine GmbH & Co KG scheiterte bisher an Zeitmangel. Auch den eigentlich geplanten Ausbildungsplatz konnte er bisher nicht schaffen: „Ich kam schlichtweg nicht dazu, meinen Ausbilderschein zu machen. Keine Zeit!“
Gut, dass sich seine Schwester schon einige Zeit vor ihm selbständig gemacht hatte. Sie konnte ihm dadurch gerade in der Anfangszeit viel helfen: „Komplett alleine hätte ich das nicht geschafft. Es ist viel mehr auf mich zugekommen als ich gedacht hätte. Das ganze Drumherum mit Regeln, Formalitäten usw.“
Viele Kunden kommen über Google sowie Empfehlungen
„Die Werbekosten sind sehr gering – wir haben eigentlich nur Google-Adwords geschaltet, das aber so ausgefeilt, dass wir mittlerweile 15 Anfragen pro Tag bekommen. Das ist wirklich Wahnsinn, hätte ich nicht gedacht. Wir zahlen 250 bis 500 Euro monatlich – für das was reinkommt ist das immer noch günstig. Die Werbekosten sind allerdings in den letzten Monaten schon etwas gestiegen.“ Dazu kommt das Geschäft über eBay. Anzeigen in Zeitungen bringen dagegen laut Eschler wenig. Immer mehr Kunden kommen zudem durch Mundpropaganda. Bei gebrauchten Computern spielt Vertrauen und guter Service eine wichtige Rolle.
War es richtig, sich selbständig zu machen?
Die Entscheidung für die Selbständigkeit war für Hans Eschler auf jeden Fall richtig: „Ja, ich bin im großen und ganzen zufrieden. Auf jeden Fall deutlich glücklicher und ausgeglichener als als Angestellter, und das obwohl ich deutlich mehr arbeite. Aber ich tue es für mich selbst.“ Inzwischen hat sich Eschler gut etabliert, die Abläufe haben sich eingespielt. Sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter hat er noch nicht eingestellt, dazu schwankt der Arbeitsanfall doch zu stark mit den Projekten. „Mittelfristig werde ich aber jemand suchen, der den Vertriebsbereich ausbaut, und jemand im Einkauf bräuchte ich eigentlich auch.“ Es bleibt spannend, wie sich das Business von Hans Eschler weiter entwickelt.
Wer selbst Interesse an preisgünstiger Hardware oder Hosting von Hans Eschler hat, findet weitere Informationen unter www.hans-eschler.de.
Das ursprüngliche, hier aktualisierte und erweiterte Interview mit Hans Eschler wurde 2007 zusammen mit vier weiteren Gründer-Interviews in der Zeitschrift startingup veröffentlicht. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Beiträge und Fotos. Lesen Sie das PDF mit allen fünf Interviews.
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