Blog: News & Tipps

Gründungszuschuss

Wichtige rechtliche Änderungen, Tipps zu Steuer und Sozialversicherung, Ideen für mehr Erfolg vor und nach der Gründung - in unserem News-Blog berichten wir ganz aktuell. 

Lässt sich unternehmerischer Erfolg vorhersehen? Welche Rolle spielen Persönlichkeitseigenschaften wie Durchsetzungsfähigkeit oder Problemlösungsorientierung?


(gruendungszuschuss.de) Mit der Einführung des Gründungszuschusses im August letzten Jahres hat der Gesetzgeber den Arbeitsagenturen die Möglichkeit eingeräumt, vom Antragsteller eine "Darlegung der persönlichen Eignung" zu verlangen und sie sogar zur Teilnahme an "Eignungsfeststellungverfahren" zu zwingen. Doch wie sinnvoll sind solche Feststellungsmaßnahmen? Lässt sich unternehmerischer Erfolg überhaupt vorhersagen? Eine neue Studie setzt sich mit dieser Frage auseinander. Wir haben sie für Sie gelesen.

Untersucht wurden 414 Gründungen in den Jahren 2001 bis 2004, die von einem Gründungszentrum begleitet wurden. Die Gründer mussten vor der Gründung an einem eintägigen Assessment Center (AC) teilnehmen, ihren Businessplan präsentieren und zudem einen Fragebogen ausfüllen. Im ersten Quartal 2005, also durchschnittlich drei Jahre nach Gründung wurden sie dann noch einmal angerufen um festzustellen, ob sie noch selbständig sind und wieviele Mitarbeiter sie ggf. beschäftigen.

Was unterscheidet diese von anderen Untersuchungen? - Auch bei anderen Studien wurden erfolgreiche Selbständige nicht erfolgreichen Selbständigen, aber auch Angestellten und Managern gegenübergestellt. Dabei wurden die Persönlichkeitseigenschaften aber immer ex post gemessen, also nach mehreren Jahren Selbständigkeit. Doch in Hinblick auf eine Prognose sind die Persönlichkeitseigenschaften zum Zeitpunkt der Gründung relevant!

Autoren der Studie sind Marco Caliendo vom DIW Berlin sowie Alexander Kritikos. Beide sind durch zahlreiche Beiträge zum Thema Gründungsforschung ausgewiesen. Die Studie wurde mitfinanziert durch das Bundesarbeitsministerium und nahestehende Organisationen. Insofern dürfte sie auch in der Politik und bei der Bundesagentur für Arbeit Gehör finden.

Die verwendeten Prognoseinstrumente

Bei dem Fragebogen, den die Gründer ausfüllen mussten, handelt es sich um den FDUP-Test, der von Prof. Müller von der Universität Koblenz-Landau entwickelt wurde (mehr dazu unter http://www.gruendungszuschuss.de/?id=305). Berücksichtigt wurden dabei die Ergebnisse in Hinblick auf vier Persönlichkeitseigenschaften: Leistungsmotivstärke, Problemlösungsorientierung und Durchsetzungsbereitschaft sowie internale Kontrollüberzeugung. Was sich hinter diesen Eigenschaften genau verbirgt, habe ich in meinem Buch "Gründungszuschuss und Einstiegsgeld" eingehend beschrieben (mehr dazu unter http://www.gruendungszuschuss.de/?id=50). Wir stellen den Fragebogen zudem im Rahmen unserer Basis-Workshops vor, um den Teilnehmern eine bessere Selbsteinschätzung zu ermöglichen.

Beim AC mussten die Gründer in einem vier- bis fünfköpfigen Team eine bestimmte Rolle einnehmen und gemeinsam mit den anderen Teilnehmern vorgegebene Probleme lösen. Dabei wurden sie von zwei Psychologen und zwei Nicht-Psychologen beobachtet. Bewertet wurden ebenfalls Leistungsmotivstärke, Problemlösungsorientierung, Durchsetzungsbereitschaft sowie als vierte Eigenschaft das Einfühungsvermögen des Gründers in andere Personen.

Außerdem mussten die Gründer in diesem Rahmen noch eine Präsentation ihre Geschäftsidee halten, die ebenfalls bewertet wurde. Dabei ging es nicht um die Persönlichkeitseigenschaften, sondern das Know-how des Gründers: Die Branchenerfahrung sowie das Wissen über die finanzielle und die Kunden-Seite des Vorhabens.

Aus den Ergebnissen von Fragebogen und Asessment Center wurde ein Index "Entrepreneur-Skills" und aus den Ergebnissen der Präsentation ein Index "Entrepreneur-Knowhow" gebildet. Bei der Untersuchung der Zusammenhänge wurden Männer und Frauen sowie Über- und Unter-30-Jährige getrennt analysiert, um auch die Effekte von Alter und Geschlecht zu berücksichtigen.

Ergebnisse

Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass der Erfolg von Gründungen zu einem geringen Grad prognostiziert werden kann. Das heißt einerseits ist eine Prognose möglich, andererseits reicht sie aber keinesfalls aus, um auf der Grundlage von Fragebogen und/oder AC eine Auswahlentscheidung zu treffen, dem Gründer also zum Beispiel eine Förderung zu versagen. Die persönlichen Eigenschaften spielen nämlich bei Personen, die während der Gründungsphase intensive Begleitung und Beratung erfahren, eine geringere Rolle, als in früheren Studien vermutet.

Meine Interpretation: Es ist sinnvoll, eine Selbsteinschätzung mittels Fragebogen und falls möglich eine Fremdeinschätzung etwa in Form eines AC vorzunehmen, um den eigenen Fortbildungs- und Entwicklungsbedarf festzustellen. Die Defizite, die Sie dabei feststellen, sind jedoch durch eine intensive Vorbereitung zu überwinden, Sie sollten sich davon also nicht entmutigen lassen.

Interessant war auch das Ergebnis, dass Fragebogen und AC zwar ähnliche Eigenschaften messen, aber die Ergebnisse überraschend wenig Zusammenhänge aufweisen: Eigen- und Fremdeinschätzung kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Insbesondere die jüngeren Gründer scheinen bei der Beantwortung des Fragebogens "überoptimistische" Antworten zu geben, während ältere Gründer sich selbst realistischer einschätzen.

Von den untersuchten Persönlichkeitseigenschaften hat vor allem die per Fragebogen gemessene Durchsetzungsbereitschaft einen signifikaten Prognosewert. Auch der aus den Messgrößen gebildete Indexwert "Entrepreneur-Skills" hat Prognosewert, während der Index "Entrepreneur-Knowhow" (also die Ergebnisse der Präsentation) keine Vorhersagekraft zeigte. Letzteres ist insofern wenig verwunderlich, als alle Gründer intensive Schulungen erhalten haben, die zu einer Angleichung des Knowhows geführt haben dürften.

Der Zusammenhang zwischen Fähigkeiten und Erfolg gilt dabei sowohl für Gründer, die weitere Mitarbeiter eingestellt haben als auch für solche, die Einpersonenunternehmer geblieben sind. Die in der Literatur häufig zu findende Unterscheidung zwischen "echten" und "unechten" Unternehmern erscheint vor diesem Hintergrund fragwürdig.

Die Studie (englischsprachig) können Sie kostenlos downloaden unter http://www.gfa-kritikos.de/media/success_prediction_22.pdf

Verfasst von Andreas Lutz am 26.03.2007 18:15
http://www.gruendungszuschuss.de/?id=52&showblog=2259

Kommentare

Ich habe mich lange mit dem Thema beschäftigt, was erfolgreiche von nicht-erfolgreichen Unternehmern unterscheidet. Das Wichtigste ist meiner Ansicht nach: Konsequenz. Es ist "egal" welche Geschichte man erzählt, Hauptsache man erzählt sie lange genug und oft genug. Dann stellt sich der Erfolg "von alleine" ein.

Verfasst von Thomas Müller am 28.03.2007 18:45


Sehr geehrter Dr. Lutz, Ihre Zusammenfassung ist ein Werkzeug! Ich war in Arbeitsagentur tätig und hätte damit viel anfangen können. Jetzt haben die Mitglieder, wenn sie die Termine nicht verschlafen, Ihre Kurzform in unbürokratischer Deutlichkeit. Vielen Dank, F.F.

Verfasst von Frank Frohberg am 28.03.2007 16:33


Sehr geehrter Dr. Lutz,

vielen Dank für die hilfreiche Zusammenfassung.

Es ist erfreulich, dass die Arbeitsagenturen ihre Maßnahmen wissenschaftlich überprüfen lässt. Ich frage mich allerdings, ob die Ergebnisse dort verstanden werden.

Aber deshalb ist es ja gerade so wichtig, dass jemand wie Sie so klar auf den Punkt bringt, was aus der Studie für die Praxis folgt. Vielen Dank!

PM

Verfasst von Peter Maxauer am 26.03.2007 18:27

Kommentare schreiben





Bitte bestätigen Sie Ihre
Eingabe mit dem
angezeigten Code:

Fachkundige Stelle

Wir erstellen für Sie die fachkundige Stellung- nahme - bundesweit.
Mehr...

Gründungszuschuss-Workshop

Schneller und sicherer zum Zuschuss

01.09.14 Berlin
29.08.14 Hamburg
19.09.14 Hannover
05.09.14 München
27.09.14 Münster
10.09.14 Nürnberg
12.09.14 Stuttgart
  Mehr...

Rechner

Wie hoch ist Ihr Gründungszuschuss?
Jetzt ausrechnen