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Wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Businessplan zu schreiben? - Harald Biesenbach antwortet


Peter M. (34) hat nach dem Ingenieurstudium einen kleinen Fertigungsbetrieb im Umland von Köln aufgebaut: "Mein Geschäft läuft ganz ordentlich, noch reicht das eigene Geld, aber eventuell brauche ich nächstes Jahr einen Bankkredit. Wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Businessplan zu schreiben bzw. zu überarbeiten? Der Bankberater hat sogar von einem Planungsprozess gesprochen. Was meint er damit?"

Harald Biesenbach, Unternehmensberater mit Standorten in Köln und Wipperfürth und Partner von gruendungszuschuss.de-Berater Günther Flock (CFU Consult) antwortet:

Mein Rat: Planen Sie jetzt und nicht erst, wenn Dritte danach verlangen und Sie unter Druck geraten. Jetzt haben Sie eine positive Haltung, eine klare Zielsetzung und ausreichend Zeit, sich mit der Erstellung bzw. Aktualisierung Ihres Businessplans auseinanderzusetzen. Machen Sie sich bewusst, dass sie diesen in erster Linie für sich selbst erstellen, als Werkzeug für Ihre unternehmerischen Entscheidungen.

Wenn Sie dagegen einen Businessplan unter Zeitdruck erstellen müssen, weil das Konto bereits bis zum Anschlag überzogen ist oder Lieferanten Ihnen Druck machen, tun Sie sich viel schwerer beim Schreiben. Leider geschieht das sehr häufig, z.B. bei einem Ertragseinbruch, Liquiditätsproblemen oder nötigen Investitionen.

Wenn Sie jetzt planen, können Sie zudem Zeitpunkt und Höhe des Finanzierungsbedarfs frühzeitig ermitteln und frühzeitig auf die Bank zugehen. Wenn die Bank sich trotzdem querstellt, ist noch genügend Zeit, andere Geldgeber anzusprechen oder zum Beispiel beim Wachstum ein wenig vom Gaspedal zu gehen.


Klassische Planungsanlässe

Klassischerweise entstehen Businesspläne ja bei der Gründung, weil Banken und Arbeitsagenturen sie voraussetzen. Für bestehende Unternehmen gibt es eine Vielzahl von konkreten Beweggründen zur Planung, zum Beispiel Investitionsvorhaben, die Expansion mit Anstellung zusätzlicher Mitarbeiter, aber auch Liquiditätsprobleme oder die Planung der Nachfolge.

Das für mich wichtigste Motiv ist aber die Unternehmenssteuerung. Sie aktualisieren den einmal erstellten Businessplan regelmäßig. So wissen Sie, wo Sie hinwollen, können die Zielerreichung kontrollieren, Probleme (z.B. Finanzierungsbedarf) frühzeitig erkennen und haben für die Kommunikation nach innen und außen immer halbwegs aktuelle Vergleichszahlen. Banken ist es wichtig, dass Sie bei Bedarf kurzfristig aktuelle Zahlen bereit stellen können. Außerdem wird es positiv bewertet, wenn in Ihrem Unternehmen Planungsabläufe „gelebt werden“ und Sie nicht erst hektisch Ad-hoc-Planungen erstellen müssen.

Planungskreislauf

Planung ist also im Idealfall ein regelmäßig durchgeführter Prozess, der bei bestehenden Unternehmen gar nicht viel anders aussieht als bei Gründern. Dafür hat sich das Konzept des Planungskreislaufs bewährt (vgl. Abbildung):





Was mit Umsetzung und Überwachung gemeint ist, ist relativ klar. Ich möchte im Folgenden auf die ersten vier Schritte des Kreislaufs genauer eingehen:

1. Analyse – hinterfragen Sie den bisherigen Erfolg

Der Planungsprozess beginnt mit einer eingehenden Analyse. Darin betrachten Sie die Ist-Daten und internen Einflüsse, die Entwicklung der Branche und externe Faktoren.

Die Analyse der Ist-Daten umfasst:

  • Die Zahlen, insbesondere die Ergebnislage (z.B. in einem Soll-Ist-Vergleich) sowie die Finanz- und Vermögenslage.
  • Chancen und Risiken für die Ertragsentwicklung
  • Kernauftrag bzw. Hauptaufgabenstellung, z.B. Markteintritt, Erreichung eines bestimmen Marktanteils, Erfüllung Leitbild etc.
  • Kernkompetenzen, Kernprodukte und Umsetzung des Kernauftrages, z.B. Wachstumsziele, Erreichung eines bestimmten Markanteils etc.
  • Ressourcen des Betriebes, z.B. Kapazitäten, Mitarbeiter, Finanzen, Innovationen etc.

Prüfen Sie, welche externen Einflüsse eine Rolle gespielt haben oder in der Zukunft eine Rolle spielen können, z.B. konjunkturelle Entwicklung, Demographie, Trends.

Beobachten Sie die Entwicklung der Branche. Wie verändern sich die Markt- und Branchenkonstellation? Wie verhalten und entwickeln sich Wettbewerber, Lieferanten und welche sich wandelnden Bedürfnisse haben die Abnehmer?

Für die Analyse empfehle ich den Einsatz eines qualifizierten Unternehmens-Checks. Entwickeln Sie eine eigene Systematik zur Feststellung von Stärken und Schwächen sowie von Chancen und Risiken, sowie deren Beherrschbarkeit.


2) Vision – Leitbild – Ziele

Vision und Leitbild - Haben Sie nicht? Das bezweifle ich, jeder Unternehmer hat nach meiner Erfahrung eine Vision. Hinterfragen Sie, welche Kundenbedürfnisse Sie heute und in der Zukunft bedienen und wofür Sie stehen (wollen).
 
Setzen Sie sich…, nein, planen Sie Ziele. Ziele machen aber nur dann Sinn, wenn Sie auch den Willen haben diese Ziele zu verfolgen. Voraussetzungen sind somit

  • Zeitvorgaben mit messbaren und realisierbaren Zielgrößen
  • Quantitative Ziele wie Umsatz, Deckungsbeitrag oder Marktanteil und
  • Qualitative Ziele wie Image und Kundenzufriedenheit



3) Strategische Planung


Was ist der Unterschied zwischen strategischer und operativer Planung? Bewusst machen sollten Sie sich folgendes:

  • Die strategische Planung hinterfragt auf Basis von Analyse und Zielen „Machen wir das Richtige?“ und ist mittel- bis langfristig ausgerichtet.
  • Die operative Planung hinterfragt auf Basis der strategischen Planung „Machen wir es richtig und rechnet sich diese Planung?“. Sie ist kurz- bis mittelfristig ausgerichtet.

Die strategische Planung sollte folgende Punkte besonders betrachten

Was können bzw. beherrschen wir besonders gut – dies reicht von den Kernkompetenzen bis zur Gestaltung der Wertschöpfungskette

  • Kundenbedürfnisse und Zielgruppen - denken Sie daran: „Wer keinen Nutzen bieten kann, verkauft Rabatte“
  • Ressourcen – also Mitarbeiter, Ausstattung, Kapazitäten, Innovationen und finanzielle Möglichkeiten
  • Planungszeitraum – legen Sie feste welche Ziele Sie innerhalb des festgelegten Planungszeitraums erreichen wollen. Zeigen Sie auch auf, durch welche Veränderungen Sie die Ziele erreichen wollen, z.B. durch Wachstum oder Steigerung der Rentabilität. Berücksichtigen Sie dabei ob sich Produktlebenszyklen verkürzen und wie sich die Preise entwickeln.
  • Strategieumsetzung – Messgrößen entwickeln und festlegen, Perspektiven (finanziell / Kunden / interne Prozesse / Mitarbeiter)

 

4) Operative Planung


Aus der strategischen Planung wird die operative Planung mit einen Planungszeitraum von mindestens drei Jahren abgeleitet – somit: Keine operative Planung ohne vorher eine Strategie formuliert zu haben

Schaffen Sie Voraussetzungen, insbesondere

  • muss die Planung auf der Finanzbuchhaltung und/ oder Kostenrechnung basieren
  • Eröffnungswerte der Planung müssen mit den Schlussbilanzwerten des Vorjahres übereinstimmen

Legen Sie den Planungsumfang fest, üblicherweise sind dies die

  • Ergebnisplanung (GuV- oder Deckungsbeitragsrechnung) und in der Regel auch daraus abgeleitet
  • Liquiditätsplanung und
  • Bilanzplanung (Vermögen und Schulden) sowie
  • in Abhängigkeit vom Planungsanlass die vertiefenden Planungen, z.B. im Rahmen einer Investitionsentscheidung auch die entsprechenden Rentabilitäts- und Amortisationsrechnungen

Den Weg zur Planung empfehle ich über verschiedene Detailpläne unter anderem für Gesamtleistung, Material und Fremdleistungen, Personal, betriebliche Erträge und Aufwendungen, Investitionen, Finanzen bis hin zu den Einkommens- und Ertragssteuern.


Orientierungshilfe

Existenzgründer finden im Internet ein riesiges Angebot von Businessplanvorlagen. Meine Empfehlungen sind das Businessplantool von gruendungszuschuss.de sowie für größere Unternehmen bzw. Gründungsvorhaben die umfangreichen Unterlagen des BMWi.

Wenn Sie (zum Beispiel aus der Gründungsphase) bereits über einen Businessplan verfügen, entwickeln Sie diesen weiter. Achten Sie dabei auf die Zielsetzung des Businessplans und widmen Sie sich besonders der Analyse.

Damit Ihnen die Businessplanung eher Lust als Frust bereitet stellen Sie bitte folgende Vorüberlegungen an: Wie stelle ich ... sicher

  • Zeit – innerhalb und außerhalb von Geschäftszeiten – Zeit zum Denken
  • Geld – technische Hilfe (z.B. Software) – Einbindung Mitarbeiter – Externe Unterstützung
  • Regelmäßigkeit – Planung ist wertvoll – Mit jeder Fortschreibung bekommen Sie mehr Sicherheit


Kontakt aufnehmen zu Harald Biesenbach (via Günther Flock) und den anderen Expert(inn)en des gruendungszuschuss.de-Beraternetzwerk

Verfasst von Andreas Lutz am 05.07.2016 12:26
http://www.gruendungszuschuss.de/?id=15&showblog=3582

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