Ein Blick hinter die Kulissen

Journalistische Arbeitsabläufe kennen

Wie gestalten sich die Arbeitsabläufe im Journalismus? - Viele Menschen, die bisher nichts mit Journalisten zu tun hatten, können sich nicht vorstellen, unter welchem Zeitdruck diese gerade bei den tagesaktuellen Medien arbeiten. Journalisten im Aktuellen wissen oft morgens noch nicht, zu welchem Thema sie im Lauf des Tages für die Zeitung vom nächsten Tag einen Artikel schreiben oder für die Abendnachrichten einen TV- oder Radiobeitrag produzieren werden.

Der Tag beginnt noch relativ gemächlich mit Konferenzen, bei denen die Themen festgelegt und verteilt werden. Doch die Hektik wird größer und der Adrenalinspiegel der Beteiligten steigt, je näher der Redaktionsschluss rückt.

Wenn Sie sich dann zu viel Zeit mit einem Rückruf lassen, haben Sie unter Umständen die Chance vertan, als Gesprächspartner in der Sendung ein paar Stunden später aufzutreten oder in der Zeitung am nächsten Tag mit einem Statement zitiert zu werden. Eine Ihrer Fragen bei einem Telefonat mit einem Journalisten sollte deshalb nicht heißen: „Muss es denn so eilig sein?“, sondern: „Bis wann brauchen Sie die Information genau?“

Allerdings gibt es auch den umgekehrten Fall, dass Journalisten aus Prinzip alles dringend machen, weil sie schon häufig erlebt haben, dass ihre Anfrage sonst in Vergessenheit gerät und unter Umständen gar nicht bearbeitet wird. Deshalb lohnt es sich immer, den zeitlichen Spielraum auszuloten: „Reicht es auch noch bis dann und dann?“

Achten Sie darauf, dass Sie zeitliche Vereinbarungen nur treffen, falls Sie sie auch einhalten können. Journalisten verlassen sich darauf. Der Redaktionsschluss kann wegen einer fehlenden Information nicht einfach verschoben werden. Die Zeitung wird ab einem bestimmten Zeitpunkt gedruckt, die Radiosendung beginnt um eine festgelegte Uhrzeit. Wenn Sie Verständnis signalisieren und auch kurzfristig zur Verfügung stehen, wird sich die Redaktion bei Bedarf sicher immer wieder bei Ihnen melden.

Arbeiten im Großraumbüro

Sicher gibt es auch in der Medienbranche nach allen Arbeitsrichtlinien wunderbar gestaltete Büros. Sehr oft sind die Arbeitsbedingungen jedoch nicht sehr komfortabel. Viele Kollegen sitzen auf engem Raum in Großraumbüros, in denen ständig jemand telefoniert, sich unterhält, das Zimmer durchquert – und müssen sich dabei auf ihre Telefonate mit ihren Recherchepartnern konzentrieren oder druckreife Texte verfassen.

Journalismus ist Teamwork

Selbst wenn ein Journalist mit Ihnen ein Gespräch führt, das Basis eines Artikels sein soll, bedeutet das nur in wenigen Fällen, dass er alleine entscheidet, wie die Veröffentlichung letztendlich aussieht. Journalismus ist nicht nur beim Fernsehen Teamwork. Der fertige Text wird bei Zeitungen oder Zeitschriften noch vom Chef oder von der Chefin vom Dienst oder bei Zeitschriften vom Textchef oder der Textchefin gelesen. Sie ändern unter Umständen noch einmal etwas, weil sie Formulierungen zu langweilig, unverständlich oder Bezüge nicht logisch finden. Außerdem legen sie die endgültigen Überschriften fest, weil sie erst ganz am Schluss wissen, wo in der Zeitung oder im Heft die Artikel stehen werden. Und erst dann ist klar, wie lang die Überschrift sein darf.

Es nützt also gar nichts, wenn Sie sich hinterher bei Ihrer Kontaktperson beschweren, weil Ihnen eine Überschrift nicht passt oder sie dem Thema sachlich nicht gerecht wird, denn sie hatte in der Regel gar nichts damit zu tun. Sichern Sie sich so weit wie möglich ab, indem Sie Ihre Informationen gut aufbereiten und auch eine Überschrift vorschlagen. Diese sollte so formuliert sein, dass Sie journalistischen Kriterien genügt, das heißt, die Leser neugierig macht und zum Weiterlesen reizt. Damit besteht zumindest die Chance, dass bestimmte Schlüsselwörter den Weg in die Überschrift finden – auch wenn die von Ihnen vorgeschlagene Variante zu lang oder zu kurz sein sollte.

Chefs vom Dienst, Textchefs oder Chefredakteure können auch entscheiden, dass ein Artikel gar nicht erscheint, weil er vielleicht nicht gut genug oder das Thema doch nicht ausreichend spannend ist. Oder die Nachrichtenlage hat sich so entwickelt, dass über viel Wichtigeres berichtet werden muss, dass für „Ihr“ Thema kein Platz mehr bleibt. Wenn Sie Glück haben, wird der Beitrag dann einfach verschoben und erscheint später. Behalten Sie das auch im Hinterkopf, wenn Sie einen Journalisten nach dem Erscheinungstermin eines Artikels fragen.

Viele Gründer/innen und Selbständige kennen die Aufgabenteilung in einem Medienteam nicht und wissen nicht, an wen sie ihre Pressemitteilung adressieren sollen. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird sie dann an den Chefredakteur geschickt. Das führt meist zu Zeitverzögerungen, weil Ihre Info von dort erst einmal ans zuständige Ressort weitergeleitet werden muss. Besser ist es daher, wenn Sie sich erkundigen, wer genau für Ihren Themenbereich zuständig ist.

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